Casa Milà – La Pedrera: Das Steinbruch-Haus in Barcelona

Mit begehbarem Dach und fantastischer Aussicht auf die Stadt

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Casa Mila Barcelona Fassade

Manchmal wurde bereits in ferner Vergangenheit in einem Stil gebaut, der noch heute futuristisch anmutet. Bestes Beispiel dafür sind die Bauwerke des großen Künstlers und Architekten Antonio Gaudí, die einem in Barcelona an beinahe jeder Ecke zu begegnen scheinen. Die Casa Milà war der letzte Profanbau des genialen Baumeisters, bevor sich dieser komplett auf die Gestaltung und Errichtung der Basilika Sagrada Família zurückzog. Wer heute vor diesem eindrucksvollen Bau steht, wird kaum glauben, dass es bereits vor über einhundert Jahren errichtet wurde. Eher wirkt es wie ein Haus aus der Zukunft, das hier mitten in die Großstadt gebeamt wurde.


Geschichte der Casa Milà

Das zwanzigste Jahrhundert war noch jung, als sich ein reiches Ehepaar mit Namen Milà nach einem guten Architekten umschaute. Am damals schon eleganten Passeig de Gràcia besaß die Familie ein 2.000 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem ein so zeitgemäßes wie elegantes Wohnhaus entstehen sollte.

Wer war der Architekt?

In relativer Nachbarschaft hatte Antonio Gaudí gerade das Haus der Familie Batlló errichtet und galt damals bereits als einer der besten Vertreter seiner Zunft. Es war also im wahrsten Sinne naheliegend, ihn auch mit der Planung der Casa Milà zu betrauen. Obwohl der extravagante Baustil Gaudís bereits bekannt war, soll das Ehepaar Milà regelrecht schockiert gewesen sein, als kurz vor der Fertigstellung ein Baustellenbesuch anstand.

Damals soll auch die Bezeichnung „Horrorhaus“ gefallen sein. Überliefert ist jedenfalls, dass die halbe Stadt schon damals von „La Pedrera“ sprach, also von einem Steinbruch. Dieser Beiname hat sich bis heute erhalten, da die Fassade tatsächlich entfernt an einen solchen erinnert. Damals wählte der Volksmund diesen Namen aber vor allem deshalb, weil die geschwungenen Fassadenelemente im Rohzustand an Ort und Stelle verbaut und erst anschließend in Form gebracht wurden. So wirkte die Baustelle stets, als würden Steinmetze die Steilwand eines Tagebaus bearbeiten.

Baukosten

Zurück zum schockierten Ehepaar Milà: Die Zusammenarbeit mit Gaudí endete vor Gericht. Man war mit der Bauausführung unzufrieden und wollte die Schlussrechnung des Architekten nicht anerkennen. Allerdings bekam Gaudí bei der Verhandlung Recht. Die Familie Milà musste zahlen und sich mit dem Gedanken anfreunden, ein neues, sehr eigenartiges Haus ihr Eigen zu nennen. Die tatsächlichen Baukosten sind heute zwar nicht mehr bekannt, allerdings brauchten auch die schwerreichen Bauherren schon deutlich mehr als ihre Portokasse, um den Bau zu bezahlen.


Casa Millà vs. Casa Batlló

Welches dieser beiden Gebäude ist besser, interessanter, sehenswerter? Freilich lassen sich diese Fragen ganz objektiv nicht beantworten. Beide Häuser sind einerseits typische Beispiele des großartigen Architekten Antonio Gaudí, andererseits aber auch ganz individuell. Zudem handelt es sich bei der Casa Batlló um eine Art Reihenhaus, das sich in ein Ensemble außergewöhnlicher Bauten einfügt, während der Architekt bei der Casa Milà ein deutlich größeres, weniger eng umbautes Grundstück zur Verfügung hatte. Am besten ist es, beide Häuser zu besuchen und sich eine ganz eigene Meinung zu bilden.


Was gibt es zu sehen?

Leider trennte sich das Ehepaar bereits nach einigen Jahren von einem großen Teil des Mobiliars, das eigens für dieses Gebäude angefertigt wurde. Erst viel später konnten viele dieser Möbel rekonstruiert werden. Die Casa Milà war ihrer Zeit jedoch in vielerlei Hinsicht voraus Licht, Luft und natürliche Formen sorgten und sorgen für Lebensqualität. Sicherlich kannte man Anfang des vorigen Jahrhunderts noch keine Klimaanlagen, legte aber dennoch Wert auf eine gute Belüftung und Klimatisierung. Gaudí schuf dafür ein Belüftungssystem, für das ihm wohl sogar der große Leonardo da Vinci auf die Schulter geklopft hätte.

Realisiert wurden außerdem drei Innenhöfe, die viel Tageslicht in die einzelnen Räume bringen. Auch hier hat der Erbauer nicht an Farbe gespart, dafür aber auf jeden rechten Winkel verzichtet: Alles ist rund, geschwungen, ja regelrecht fließend. So gelangt auch viel Licht auf die großzügigen Treppen, über die alle Bewohner ihre Wohnungen erreichen. Die von Gaudí ursprünglich vorgesehenen Fahrstühle wurden allerdings erst viel später eingebaut. Dennoch hat man sich dann am Baustil des Architekten orientiert, um dem Charme des Hauses gerecht zu werden.

Ganz wie man es von Gaudí kennt, hat er sich auch bei diesem Gebäude vor allem von den „Bauformen“ der Natur inspirieren lassen. An zahlreichen Stellen wirkt das Haus, als sei es natürlich gewachsen und nicht von Menschenhand erschaffen worden. Deutlich wird das bereits von außen: Die Geländer der zahlreichen Balkone bestehen aus zurechtgebogenem Metallschrott. Tatsächlich ist kein Geländer wie das Nächste und der Betrachter fragt sich, welche Kletterpflanze sich hier wohl an der Fassade entlang rankt.

Die Casa Milà von innen

Was von außen vielleicht noch etwas skurril und düster wirken mag, entpuppt sich innerlich als ein modernes, fröhliches, atmendes Gebäude. Bereits am großzügigen Eingangstor wird deutlich, wie viel Licht dieses Haus durchflutet. Hinzu kommt, dass Gaudí bei Planung und Bau nicht mit Platzproblemen zu kämpfen hatte, sondern alle Wohnungen und Bereiche des Hauses sehr großzügig gestalten konnte. Auffällig sind in diesem Zusammenhang vor allem die hellen Flure der Casa Milà: Während sich diese sonst eher wie dunkle Maulwurfsgänge durch ein Gebäude hindurchwinden, sind sogar diese Bereiche in diesem Haus taghell. Das ist auch den drei Innenhöfen geschuldet, die dem Gebäude sehr viel von seiner Schwere nehmen. Zudem sind die Treppen so großzügig wie hell und lassen, typisch Gaudí, jede gerade Linie und jeden rechten Winkel vermissen. Dennoch verfügen die Stufen über eine einheitliche Höhe, sodass man nicht ins Stolpern gerät.

Da die Casa Milà bis heute teilweise bewohnt wird und sich in anderen Bereichen des Hauses Büros befinden, kann sie nicht komplett besichtigt werden. Besuchern stehen aber die Türen zur rund 1.000 Quadratmeter großen Beletage-Wohnung offen, in der sich heute das Kunstmuseum der Fundació Catalunya – „La Pedrera“ befindet. Außerdem kann eine Wohnung in der sechsten Etage besichtigt werden, die mit originalgetreuem Mobiliar und Einrichtungsgegenständen aus der Frühzeit des Gebäudes ausgestattet wurde.

Der Dachboden der Casa Milà beeindruckt freilich auch durch seine außergewöhnliche Gewölbeform, die dennoch viel Tageslicht durchlässt. Hier wurde eine Ausstellung rund um das Leben und die Bauwerke Antonio Gaudís installiert, wobei natürlich ein besonderer Schwerpunkt auf der Casa Milà liegt. Dank gedämpfter Musik und diversen Diashows hat diese Show einen abwechslungsreichen und gleichzeitig informativen Charakter.

Als Highlight schließlich darf, ähnlich wie in der benachbarten Casa Batlló, das begehbare Dach gelten. Hier schuf der Architekt eine wahre Wunderwelt, die seinen anderen Bauwerken in nichts nachsteht. Schornsteine, Lüftungsschächte und Treppenaufgänge wurden hier so gestaltet, als ginge es um Hommage an einen schrägen Mix aus König Artus und Robocop. Andere fühlen sich sogar an die Statuen auf der Osterinsel erinnert.

Bei einer fantastischen Aussicht auf die Stadt lässt es sich auf dem Dach wunderbar lustwandeln. Geschwungene Formen, Stufen, bunte Farben und der kreative Umgang mit außergewöhnlichen Materialien machen das Dach der Casa Milà zu einem Fest für alle Sinne. Wer hier auf eingemauerte Reste grüner Glasflaschen stößt, wird sich bestimmt nicht mehr wundern.

Casa Mila Dach Barcelona

Welche Materialien wurden verwendet?

Die geschwungene Fassade des Hauses besteht aus Kalk-Sandstein, tragende Elemente wurden aber bereits damals aus Stahlbeton errichtet. Ansonsten hat Gaudí sich stets von der Natur inspirieren lassen und weit über den Tellerrand hinaus geblickt. So kamen hier auch wieder die berühmten Mosaike und das zerbrochene Buntglas zum Einsatz, wenn es um dekorative Elemente ging.


Öffnungszeiten der Casa Milà

  • März bis Oktober – täglich von 09:00 – 20:00 Uhr
  • November bis Februar – täglich von 09:00 – 18:30 Uhr
  • Am 25. & 26. Dezember sowie am 1. & 6. Januar bleibt die Casa Milà komplett geschlossen
Casa Mila Stoßzeiten
Casa Mila Stoßzeiten

Kann ich die Casa Milà auch bei Nacht besuchen?

Ja: Bei Casa Milà bei Nacht* handelt es sich um eine geführte Tour, die durch alle touristischen Bereiche führt und mit audiovisuellen Shows begeistert. Ein Glas Champagner gehört ebenfalls dazu. Die individuelle Besichtigung bei Nacht ist aber leider nicht möglich.

Wie viel Zeit sollte man für einen Besuch einplanen?

Wie lange wartet man im Durchschnitt auf den Einlass? Natürlich variiert die Wartezeit je nach Tages- und auch Jahreszeit. Wer im Winter gleich morgens kommt, wird vermutlich sofort eingelassen. Im Sommer kann es mittags aber durchaus 1 bis 2 Stunden dauern, bis man endlich ins Haus kommt. Für eine individuelle Besichtigung sind 90 bis 120 Minuten ausreichend und auch die meisten geführten Touren dauern maximal zwei Stunden.

Wann ist die beste Zeit, um die Casa Milà zu besuchen?

In der hochsommerlichen Ferienzeit tummeln sich natürlich regelrechte Menschenmassen vor den berühmten Bauwerken der Stadt. So auch vor der Casa Milà. Und wenn du nach langer Warterei endlich hinein kommst, herrscht auch innen ein reger Betrieb. Besser ist es also, auf die ohnehin touristisch schwachen Monate auszuweichen. Allgemein gilt: Der frühe Vogel sieht die meisten Würmer


Tickets & Preisübersicht

  • Eintritt für Erwachsene: 22,00 €
  • Behinderte, Schüler und Studenten (mit Ausweis): 16,50 €
  • Kinder zwischen 7 und 12 Jahren: 11,00 €
  • Für Kinder bis 6 Jahre ist der Eintritt kostenfrei.

Diese Preise beziehen sich auf den Kauf vor Ort, bei dem natürlich mit einer langen Wartezeit zu rechnen ist. Tickets können aber auch online gebucht werden. Dabei kann man die Warteschlange komplett umgehen und hat mehr Zeit für die eigentliche Besichtigung.


Lohnt sich der Besuch in der Casa Milà?

Jeder echte Gaudí-Fan würde diese Frage mit einem glasklaren „Ja“ beantworten. Ansonsten gilt: Barcelona hat als Stadt so viel Sehenswürdigkeiten und architektonische Highlights zu bieten, die großenteils auch mit Gaudí in Verbindung stehen, dass man den Besuch der Casa Milà nicht als Pflichttermin bezeichnen muss. Nichtsdestotrotz ist das Haus sehr eindrucksvoll und die Besichtigung macht großen Spaß. Spätestens beim wiederholten Besuch der Stadt sollte man hier eigentlich mal gewesen sein.



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Adresse: Provença, 261-265, 08008 Barcelona
Web: https://www.lapedrera.com/


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Über Johannes 266 Artikel

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