Die katalanische Sprache: Wie spricht man in Barcelona?

Sprech' ich Spanisch, oder was? Nein, Katalanisch!

Katalanische und Spanische Flagge auf Gebäude - Top

Barcelona ist eine einzigartige Stadt – und das gilt spannenderweise auch für die hier gesprochene Sprache, auf die die Barceloneser*innen sehr stolz sind und die einen wichtigen Bestandteil ihrer Kultur darstellt. Darüber hinaus ist die katalanische Sprache sowohl spanische als auch andorrische Amtssprache und verfügt über mehr Sprecher*innen als beispielsweise Dänisch oder Finnisch. Ein guter Grund also, sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und auch ein wenig über den städtischen Tellerrand hinaus zu schauen, oder?

Amtssprachen in Barcelona

Was die Amtssprachen betrifft, wird in der Mittelmeermetropole sowohl auf Spanisch (Kastilisch) als auch auf Katalanisch zurückgegriffen. In der Konsequenz sind daher viele Beschriftungen wie in Museen oder auf Straßenschildern in beiden Varianten anzutreffen.

Aber in Schulen und Universitäten und auf den Ämtern wirst du schnell merken, dass die katalanische Sprache sehr gefördert wird. Ein gutes Beispiel dafür sind die Zulassungsprüfungen für den Universitätsbesuch, die mehr als 2/3 der Schüler*innen auf Katalanisch antreten. Und auch in den Universitäten finden – je nach Fach -- zwischen 60 und 100 % der Kurse auf Catalan statt. Was potenzielle Studierende keinesfalls abschrecken sollte. Denn wenngleich Catalan kein spanischer Dialekt, sondern eine eigene Sprache ist, ähneln sich Spanisch und Katalanisch doch so sehr, dass ein schnelles Umlernen durchaus möglich ist.

Abgesehen davon sprechen gerade jüngere Leute auch oft fließend Englisch. Und bei den älteren Generationen lässt es sich mit Französisch-Kenntnissen punkten, wie sich nachher noch zeigen wird.

Neben dem Raum der Schulen und Unis ist diese Form der iberoromaninschen Sprache im Kulturleben sehr präsent. Hier einige Fakten, die dies zeigen:

  • Knapp 6.000 katalanische Bücher pro Jahr, das macht etwas mehr als 10 % der jährlichen spanischen Verlagsproduktion.
  • Fast 1/3 der in Katalonien verkaufen Tageszeitungen werden in Catalan verfasst und
  • auch aus dem Radio und Theater ist die katalanische Sprache inzwischen wieder nicht mehr wegzudenken.

Ähnliches gilt für wirtschaftliche Belange. Bankdaten, Rechnungen für Telefon, Gas, Wasser und Strom, ja sogar Gehaltsabrechnungen werden immer öfter auf Katalanisch verfasst – wenngleich Gerichte und Polizei sich damit noch zuweilen etwas schwer tun.

Unterm Strich lässt sich aber sagen: Wer in Barcelona auf Katalanisch kommuniziert, hat mit den Behörden oder ihren Vertreter*innen keine Probleme. Fühlst du dich hingegen mit Spanisch eher auf der sicheren Seite, verlaufen die Kontakte ebenfalls reibungslos.

Katalanische Flagge Haus

Die katalanische Sprache: Herkunft & Geschichte

Da es sich bei Catalan um eine romanische Sprache handelt, stammt sie wie die heute noch gesprochenen romanischen Sprachen…

  • Französisch,
  • Frankoprovenzalisch,
  • Okzitanisch,
  • Rätoromanisch,
  • Rumänisch,
  • Italienisch,
  • Sardisch
  • Spanisch und
  • Portugiesisch-Galizisch

…vom Volkslatein und den dazugehörigen Dialekten ab. Als das römische Reiche im 5. Jahrhundert zerfiel, zog dies nicht nur politisch, sondern auch sprachlich weitreichende Konsequenzen nach sich. Durch die abflachende Interkommunikation wurden die Unterschiede zwischen den einzelnen Dialekten immer größer und es entwickelten sich tatsächliche Einzelsprachen. So auch das Katalanische, das zu den iberoromanischen Sprachen zählt.

Am größten sind dabei die Ähnlichkeiten zu Okzitanisch und Aragonesisch (das jedoch weitgehend vom Spanischen geschluckt wurde. Interessant ist dabei vor allem, dass die katalanische Sprache sich in ihrer Entwicklung und Gestaltung sogar in der Zeit, in der die Mauren die spanische Halbinsel beherrschten recht treu geblieben ist. …

Der arabische Einfluss auf den katalanischen Sprachraum

Dass die Araber ab dem 8. Jahrhundert eine neue Kultur und Sprache mitbrachten, wirkte sich auf viele verschiedene Lebensbereiche der iberischen Bevölkerung aus. Nichtsdestotrotz blieben den Menschen an den Ostpyrenäen und im dazugehörigen süd- wie nördlichen Vorland bei ihrer Sprache und eroberten diese Gebiete – Altkatalonien genannt -- sogar noch im gleichen Jahrhundert zurück. Etwas später dehnten sie ihre Eroberungen sogar noch bis über den Llobregat in Barcelona bis hin hin nach Tarragona und bis hin zum Ebro aus (Neukatalonien) aus.

Bemerkenswert, weil es sich bei dieser Gegend schon um ein Gebiet handelte, in dem die ortsansässige Bevölkerung eher eine frühe Kastilisch-Variante sprach. In Bezug auf die Umgebung von València ist es etwas schwieriger, die Entwicklung der Sprache genau zu verfolgen. Doch ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts war auch hier und auf den Balearen die katalanische Sprache etabliert. Und zwar relativ einheitlich und ohne Bestandteile einer anderen romanischen Sprache oder eines ebensolchen Dialekte.

Catalan im Früh- und Hochmittelalter

Oswald von Wolkenstein
Oswald von Wolkenstein

Schon im 9. und 10. Jahrhundert fanden sich einige katalanische Worte in den lateinischen Texten, welche im 11. Jahrhundert schon ganze Sätze beinhalteten. Sätze, die belegen, dass diese mittelalterliche Variante der heutigen bereits stark ähnelt. Im 12. Jahrhundert kam dann sogar komplette Dokumente und bereits erste Prosa-Fragmente hinzu, bevor sich Catalan im 13. Jahrhundert zur Kanzleisprache der katalanisch-aragonesischen Könige mauserte. In diesem Zusammenhang entstand sogar eine Sprachnorm, die der der Nordfranzosen, Engländer und Deutschen zwei Jahrhunderte voraus ist. Zum Vergleich: Bis die deutsche Sprache in Form der sächsischen Kanzleisprache (unter Einfluss Martin Luthers) einen ähnlichen Stellenwert erreicht, befinden wir uns schon am Beginn des 16. Jahrhunderts …

Katalanisch im Spätmittelalter

Schon Oswald von Wolkenstein, ein polyglotter und sprachlich extrem bewanderter deutschsprachiger Minnesänger, Dichter und Diplomat, zählt 1415 alle Sprachen auf, die er bei seinen Aufenthalten in anderen Ländern spricht – und „katlonisch“ ist selbstverständlich mit dabei. Kein Wunder, das Katalanisch im Laufe der Zeit den Sprung von der literarisch zur politisch relevanten Sprache nahm. Dies lag darin begründet, dass das Königreich Katalonien-Aragón es zur Hauptsprache und sich selbst zu einer wesentlichen Mittelmeer-Macht machte. Oder mit anderen Worten: Man sprach eher Catalan als Spanisch. Ein besonders wertvolles Zeitdokument ist dementsprechend auch das 1502 erstmals erschienene Deutsch-Katalanisch-Wörterbuch, das eines der ältesten zweisprachigen Lexika in Bezug auf lebende Sprachen darstellt.

Die katalanische Sprache vom 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhundert

Primo de Riveras
Primo de Rivera

Als Oswald von Wolkenstein seine Gedichte verfasst, beginnt das Katalanische allerdings schon langsam in den Hintergrund zu treten. Grund dafür sind vom 15. bis ins 17. Jahrhundert katalanisch-aragonesische Könige, die die Sprache nicht mehr mit der Muttermilch aufsaugten. Die Folge: 1714 setzte der bourbonische Zentralismus Spanisch als Sprache für die katalanischen Länder fest. Aber die dachten sich (ganz flapsig gesagt): „Jaja“, und behalten es als Mutter- und Umgangssprache – in den Städten ebenso wie auf dem Land. Logisch, dass dank dieser Einstellung immer noch katalanische Literatur und Wörterbücher verfasst werden. Auch sorgte die Renaixença ab 1833 dafür, dass Dichtung und Theater diesem Grundsatz treu gebliebenen beziehungsweise noch treuer wurden. Sogar der Roman zog letztlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts nachzieht.

Aber nicht nur für die Kunst, auch für die Wissenschaft wurde die katalanische Sprache immer bedeutsamer: Immer mehr gesellschaftliche Projekte liefen auf Catalan an und es wurden immer neue Institutionen wie beispielsweise die Akademie der katalanischen Sprache gegründet. Die Diktatur von Primo de Riveras unterbrach diese Entwicklung zwischen 1923 und 1931 zwar etwas. Doch mit der 2. spanischen Republik kam auch ein Autonomiestatus (1932), der eine umfassende Verankerung des Catalan im öffentlichen Leben mit sich brachte. Ein Erfolg, den die Katalaninnen und Katalanen aber nur wenige Jahre feiern konnten …

Die katalanische Sprache während des Franco-Regimes

Francisco Franco
Francisco Franco

General Francos Militärputsch im Juli 1936, der in den ultrakonservativen spanischen Rechten zahlreiche Unterstützer fand, sorgte für einen neuen, aber keinesfalls angenehmen Wind im katalanischen Sprachgebiet. Nachdem er Anfang 1939 in den dazugehörigen Regionen einmarschierte, kam es zu es einer jahrelangen systematischen Unterdrückung der katalanischen Bevölkerung ihrer Sprache und ihrer Kultur. Franco betrachtete die katalanische Sprache als eine der Hauptquellen für den mehr oder weniger angeblichen Separatismus und wollte sie daher auslöschen. Aus der Familie, den Schulen, den Universitäten, der Literatur, dem öffentlichen Leben – aus allen Bereichen. Katalanisch-Sprecher*innen sollten nach seinem Willen denunziert werden und ihre Arbeitsplätze verlieren. Und insbesondere, wenn es sich bei ihnen um lehrende Personen handelte, wurden sie versetzt und durch Spanisch sprechende Lehrkräfte ersetzt, die aus den Kindern Spanier*innen machen sollten.

Funktioniert hat dies alles aber nur eingeschränkt. Denn insbesondere die Barceloneser*innen behielten ihre Liebe für die katalanische Sprache und benutzten sie insgeheim für Familien- Kulturgespräche weiter. Im Bewusstsein für die jahrhundertelange eigene Tradition und im Bewusstsein dafür, dass es sich auch um einen Kampf für die Demokratie handelte, bei dem Catalan als Befreiungs- und Fortschrittssprache bewertet wurde. Doch der Preis dafür war im ganzen katalanisch-sprachigem Raum hoch. Historiker*innenschätzungen zufolge kamen im Franco-Regime in dieser Region wohl deutlich mehr als 100.000 Menschen ums Leben – und das ist nur die Zahl der Hingerichteten …

Catalan nach dem Franco-Regime

Langwierig, aber unspektakulär – ganz nach dem Motto „Der stete Tropfen höhlt den Stein“: So könnte man die Bemühungen der Katalan*innen um ihre Sprache, die Demokratie und ihren Autonomiestatus zusammenfassen.

Tatsächlich war schon am Ende des Franco-Regimes (1975) eine gewisse Verbesserung erreicht, in deren Folge ab Ende der 1970er wieder auf Katalanisch gelehrt und gelernt werden konnte. Auch mehrere Fernseh- und Radiosender bringen ihre Programme wieder auf Catalan und die Zeitungen informieren wieder in der Regionalsprache. Im Zuge dessen bedienen sich sogar 4/5 der im-Fernsehen-Werbung-schaltenden regionalen Firmen der katalanischen Sprache.

Gleichzeitig muss man aber auch festhalten, dass diese Förderung verstärkt auf das Gebiet rund um Barcelona zutrifft. In València ist die Katalanisch-Begeisterung deutlich gedämpfter, was mit einer deutlich stärkeren Verinnerlichung des Zentralismus zu tun hat, der nun als „Lokalpatriotismus“ die „Nachbarprovinzen“ aufs Korn nimmt, weil eine Auflehnung gegen die zentrale Regierung als undenkbar erscheint. Und auch auf den Balearen ist ein gewisser Sprachstreit entbrannt. Tatsächlich handelt es sich bei den valencianischen und balearischen Formen aber um keine wirklich eigenen Sprachen, sondern eher um Dialekte. Und unter dem Strich betrachtet, unterscheiden sich West- und Ostkatalanisch (westliches Zentralkatalonien und València beziehungsweise Rosselló-Barcelona-Tarragona) aber weniger als Hamburgisch und Bairisch.

Kurz gesagt: Katalanisch boomt -- wenn auch noch nicht an allen Stellen gleich stark. Dass die Sprache noch nicht überall so alltagspräsent ist wie sie verstanden und beherrscht wird, liegt immer eben noch immer an den Erfahrungen aus dem Franco-Regime und der starken Präsenz des Spanischen als Staatssprache.


Verbreitung der katalanischen Sprache

4 Länder (Spanien, Frankreich, Andorra und Italien), eine Fläche von knapp 70.000 km² und 13,5 Millionen Menschen, die auf diesem Gebiet leben … Damit gehört die katalanische Sprache eindeutig in die Top 10 der meistgesprochenen Sprachen innerhalb Europas und ist in Andorra offizielle wie in Spanien regionale offizielle Amtssprache – aber keine offizielle Amtssprache in der EU.

Andorra Landschaft
Andorra Landschaft

Versucht man, das Gebiet etwas einzugrenzen, lassen sich als nördliche Küstengrenze der Ort Salses, nördlich von Perpinyà (Perpignan) und im Süden das spanische Guardamar, südlich von Elx und Alacant, festhalten. Zusätzlich erstreckt sich das Gebiet an den Pyrenäen bis zu 250 km ins nördliche Landesinnere (Andorra) und im Süden entlang eines Streifens von 25 bis 100 km Breite bis zum valencianischen Hinterland. Und, last but not least: Auch die Balearen und die sardische Stadt Alghero wollen nicht vergessen werden.

Allerdings ist anzumerken, dass die Zahl der aktiven Sprachnutzer*innen von den einzelnen Regionen abhängt und bei weitem nicht alle der 13,5 Millionen Menschen dazu gehören:

  • Katalonien und Franja de Ponent (gehört zur Region Aragonien): fast alle verstehen Katalanisch, mehr als 75 % beherrschen die Sprache
  • L’Alguer (Sardinien) und Catalunya Nord (französisches Gebiet): ca. 50 % der Menschen verstehen Katalanisch, aber nicht einmal die Hälfte kann es sprechen
  • Die Balearen und die valencianische Region befinden sich zahlenmäßig irgendwo dazwischen.

Daraus ergeben sich insgesamt 9 Millionen Sprecher*innen und 11 Millionen Versteher*innen. Und wie gut zu sehen ist, liegt die Umgebung von Barcelona dabei klar vorne – mit beeindruckenden Zahlen von bis zu 90 % beim Sprachverständnis und -können auf Seiten der 15- bis 30-Jährigen.

Katalanisch und die Amtssprachen der EU
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Sprachenstreit auf den Balearen um die katalanische Sprache

Die meisten Tourist*innen kommen mit Deutsch-, Englisch- und manchmal auch Spanisch-Kenntnissen auf die Balearischen Inseln. Und viele Einheimische kommunizieren ziemlich anstandslos mit ihnen in einer dieser Sprachen. Doch eigentlich benennt eine nicht unwesentliche Zahl von ihnen Katalanisch oder einen katalanischen Dialekt als Muttersprache – und genau dabei liegt der Hase im Pfeffer.

Eigentlich könnte alles so einfach sein. Jakob der Eroberer, seines Zeichens Graf von Barcelona sowie König von Aragón, vertreibt die Mauren im 13. Jahrhundert von den Inseln und etabliert die katalanische Sprache. Zu Beginn der frühen Neuzeit geht Aragón jedoch im spanischen Reich auf. Mit der Konsequenz, dass die Menschen nun auch Kastilisch, also Spanisch lernen – aber auch weiterhin Katalanisch sprechen.

Eivissa - Balearen

Also alles gut. Bis 2010 und die folgenden Jahre herum. 1,1 Millionen Inselbewohner*innen dürfen ein neues Regionalparlament wählen und entscheiden sich eindeutig für die konservative Volkspartei als ihre Vertretung. Aber nun kam der Knackpunkt. José Ramón Bauzá, ab dann Ministerpräsident, meinte, dass mehr Spanisch gut sei und wollte Katalanisch-Kenntnisse wieder etwas in den Hintergrund rücken; beispielsweise durch gleich viel Katalanisch-, Spanisch- und Englischunterricht in den Schulen. Die Folge: 100.000 Menschen auf der Straße und diverse (Lehrer-Streiks). Auf Mallorca konnte 2014 dadurch für Ruhe gesorgt werden, dass die Lokalregierung festgesetzt hat, dass die Inselsprache Katalanisch sei. Dennoch lässt es sich schwer von Entspannung sprechen, wenn Bauzá meint, dass die Inseldialekte…

  • Mallorquín,
  • Menorquín,
  • Ibicenco und
  • Formenterense

…alles eigene Sprachen seien und doch jedem damit genüge getan sei. Denn eigentlich handelt es sich ja um Dialekte des – genau, Katalanischen. Und dass die Mallorquiner*innen und andere Inselbewohner*innen auf ihren katalanisch-kulturellen Background deutlich stolzer sind als beispielsweise die Menschen in València, das hat er wohl deutlich unterschätzt …

Katalanische Proteste

Unterschiede zwischen Katalanisch und Spanisch

Katalanisch und Spanisch gehören beide zu den iberoromaischen Sprachen und sind daher relativ dicht miteinander verwandt, bilden aber eigene Sprachzweige. Von daher ist die Aussage, dass die katalanische Sprache ein kastilischer Dialekt sei, schlichtweg falsch. Stattdessen könne man eher von einer vergleichbaren Ähnlichkeit wie bei Deutsch und Niederländisch sprechen.

Am dichtesten an Catalan liegt wohl das südfranzösische Okzitanisch. Doch auch die Nordfranzosen teilen sich viele Worte mit Katalanisch, wie das Beispielwort „Fenster“ beweist: „fenêtre“ (Französisch) > „finestra“ (Katalanisch) > „ventana“ (Spanisch)

Darüber hinaus unterscheiden sich Katalanisch und Spanisch noch in diversen weiteren Bereichen, unter anderem in diesen hier:

  • Akzentsetzung: Spanisch alle Akzente in der Ausrichtung einheitlich – im Katalanischen zwei Varianten, beispielsweise bei à und é
  • maskuliner Vokal: Im Spanischen nicht vorhanden, im Katalanischen schon – Beispiel Pferd: cavall > caballo
  • Anzahl der Vokale: Spanisch 5, Katalanisch 8
  • Verwendung des Konjunktivs in der spanischen Sprache deutlich häufiger

Bleibt also die Frage, wie schwierig es ist, von Katalanisch auf Spanisch oder umgekehrt umzulernen. De facto sind die Unterschiede erkennbar, aber nicht riesig. Wer vielleicht schon eine der beiden Sprachen spricht und schreibt oder Übung mit Portugiesisch-Galizisch, Französisch oder Italienisch besitzt, wird die andere Sprache sicherlich schnell lernen. Meist reicht etwas ein Monat aus, um den Spagat zu schaffen.

In puncto Reiseziele lassen sich zwei Dinge festhalten

  • Alle, die viel im spanischen Landesinnern und / oder Südamerika unterwegs sind, fahren mit Spanisch als „Erstsprache“ natürlich besonders gut. Spanisch kannst Du vor deiner Reise ganz bequem z.B. bei Babbel lernen (nutze ich persönlich auch)
  • Wer wirklich das Herz der Katalan*innen erobern und sich in katalanischsprachigen Gebieten wie Barcelona zu Hause fühlen möchte, fährt mit Catalan aber selbstverständlich noch viel besser. Wobei es nicht darum geht, auf Anhieb perfekt zu schreiben und / oder zu sprechen, sondern einfach Herzblut zu investieren.

Besonders gut gelingt das mithilfe von Zeitungen, Literatur, Nachrichten und Filmen. Oder mit anderen Worten: Einfach an der katalanischen Kultur teilhaben und den Dialog suchen. Und auf diese Weise klappt es mit dem Katalanisch-Lernen bestimmt recht schnell und spielerisch.

Ist KATALANISCH nur ein spanischer Dialekt? Oder eine eigene Sprache? | Tobias Huhn
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Wie kann ich mich in Barcelona verständigen?

Nachdem Catalan und Spanisch Amtssprachen in der Region Katalonien sind, kannst du dich mit beiden Varianten in der Stadt sehr gut verständigen – zumal Barcelona nach Madrid die zweitgrößte spanische Stadt darstellt. Aber natürlich gibt es einige Pluspunkte, wenn du ein paar Worte oder sogar ganze Sätze in katalanischer Sprache über die Lippen bringst. In Bezug auf das Leseverständnis helfen zudem Französisch-Kenntnisse. Und selbstverständlich sprechen quasi alle jungen Leute auch Englisch. Es gibt also viele Wege, die hier zum Ziel führen. Wichtig: Versuch’s auf positive, respektvolle Weise. Dann wird es schon funktionieren, denn die meisten Barceloneser*innen sind sehr hilfsbereit, wenn sie merken, dass du dich für ihre Stadt und Sprache interessierst.


Die katalanische Sprache: Aussprache und Grammatik

Katalanisch klingt ein bisschen wie Spanisch, in das man Anklänge vom Französischen und Portugiesischen eingeflochten hat, wobei es gefühlt nicht so viele harte Konsonanten wie das Spanische, aber auch keine Nasale wie die französische Sprache enthält. Das aber natürlich unter einem absolut umgangssprachlichen und keinesfalls sprachwissenschaftlichen Ansatz gesagt.

Katalanisch hat von allem etwas – und vor allem ganz viel Spezielles – zu bieten

Auffällig sind hierbei insbesondere Buchstabenkombinationen wie

  • ix (beispielsweise bei incaixa, Kasse – man denke an die Aussprache von sch in „Schule“)
  • ll (wie bei dem Substantiv „Million“)
  • l·l (eine einzigartige Kombination in den europäischen Sprachen, die in etwa einem verdoppelten ll im deutschen „Will-llen“ entspricht)
  • ny (wie beim französischen „Cognac“)
  • tg (wie bei Journalist -- kommt zum Beispiel in „inviatge“, Reise, vor) oder
  • tx (tsch wie in cotxe, Auto – deutsches „Kutsche“ als Vergleich).

Und auch im Hinblick auf Morphologie und Syntax finden sich gleichermaßen Unterschiede und Ähnlichkeiten zum Spanischen und Französischen:

  • Es werden Maskulina und Feminina, jedoch kein Neutrum bei den Substantiven gebildet.
  • Wie im Spanischen können die Subjektpronomen weggelassen werden -- das geht im Französischen nicht).
  • Die Futurbildung funktioniert wie im Französischen mithilfe einer Infinitivform.
  • Dafür hat die katalanische Sprache mit „pretèrit perfet perifràstic“ eine eigene Vergangenheitsform zu bieten. Diese wird mit „anar“ (gehen) und dem Vollverb-Infinitiv gebildet, wobei sich die Präsensformen vom lateinischen vadere ableiten. Ein extremer Unterschied zum Französischen „Il va venir“ (Er wird gehen), also Futur!
  • Überhaupt gibt es viele Ausnahmen bei den Verbkonjugationen und auch
  • die klassisch-romanische Worstellung „Subjekt – Verb Objekt“ wird im Katalanischen besonders gerne zugunsten einer Invasion ausgehebelt, wenn das Subjekt eine Information enthält, die in den bisherigen Sätzen noch nicht genannt wurde.

Last but not least ein kleines orthographisches Special: Der „Punt volat“ zum Aussprache-Beibehalten, wie er beispielsweise im Substantiv coŀlecció, „Sammlung“, genutzt wird. Bei diesem Trick können bestenfalls noch das Gaskognische, das Franko-Provenzialische oder das Engadinische mit seinem Bindestrich zur „s“-und-“ch“-Trennung mithalten.


Wichtige Sätze und Wörter auf Katalanisch

Eins direkt vorab: Die katalanische Sprache hat viel mehr Worte, Redewendungen und ganze Sätze zu bieten, als hier an dieser Stelle aufgelistet werden können. Und schon für ein wirklich brauchbares Reisevokabular ist der Platz zu begrenzt – man denke nur an Zahlen und Uhrzeiten. Von daher soll die folgende Liste nur einige Beispiele liefern und die Lust auf ein bisschen Selbstlernen fördern -- ob mit Wörterbuch oder Sprachkurs, freie Entscheidung. Los geht’s:

Begrüßung, Abschied und weitere Grußfloskeln

  • Bon dia! guten Tag
  • Hola! hallo
  • Com va (això)? oder Com està/estàs? Wie geht es Ihnen / dir?
  • Molt bé (gràcies)! (danke,) sehr gut
  • Moltes gràcies! vielen Dank
  • Si us plau! bitte
  • De res bitte / keine Ursache
  • Perdoni! Entschuldigung
  • Adéu! tschüß / auf Wiedersehen
  • Fins ara! bis gleich
  • Fins després / demà / un altre! bis nachher / morgen / demnächst

Die mündliche Kommunikation

  • Podria ajudar-me? Könnten Sie mir helfen?
  • Vostè parla català? Sprechen Sie Katalanisch?
  • Parla alemany / anglès, vostè? Sprechen Sie Deutsch / Englisch?
  • Només una mica. Nur ein bisschen.
  • No. Ho sento. Nein, es tut mir leid.
  • No l’entenc bé. Ich verstehe Sie nicht so gut.
  • Parli una mica més a poc a poc, si us plau. Sprechen Sie bitte ein bisschen langsamer.
  • Em pot explicar una paraula? Können Sie mir ein Wort erklären?
  • M’ho pot repetir? Können Sie es für mich wiederholen?
  • Com es diu vostè? / Com et dius? Wie heißen Sie?
  • Em dic … Ich heiße …
  • D‘on és? / D‘on ets Woher sind Sie / bist du
  • Vinc d’Alemanya / d’Àustria / de Suïssa. Ich komme aus Deutschland / Österreich / der Schweiz.

Unterwegs per Bus, Zug und Auto

  • On és la carretera / l’autopista cap a … ? Wo befindet sich die Straße / die Autobahn nach … ?
  • Voldria llogar un cotxe. Ich möchte ein Auto mieten.
  • On és la pròxima gasolinera amb benzina (gasolina) sense plom? Wo ist die nächste Tankstelle mit bleifreiem Benzin?
  • He tingut una avaria. Ich habe eine Panne.
  • He tingut un accident. Ich habe einen Unfall gehabt.
  • Podríem telefonar a un mecànic / cotxe-grua/a la policia? Könnten wir einenMechaniker / Abschleppdienst / die Polizei anrufen?
  • On és el pròxim taller de reparació? Wo ist die nächste Reparaturwerkstatt?
  • On és la parada dels autocars cap a … ? Wo ist die Bushaltestelle nach … ?
  • On és l’estació? Wo ist der Bahnhof?
  • Quan surt un autocar / un tren cap a … ? Wann fährt ein Bus / Zug nach … ?
  • Aquest autocar / tren, va a … ? Fährt dieser Bus / Zug nach … ?
  • Em pot fer el favor d’avisar-me quan he de baixar? Können Sie mirsagen, wann ich aussteigen muß?
  • On puc trobar un taxi? Wo finde ich ein Taxi?
  • Es pot demanar per telèfon? Kann man es per Telefon bestellen?
  • Quant costa anar a … ? Was kostet es, nach … zu fahren?

Bestellen im Restaurant

  • La carta, si us plau! Die Karte, bitte!
  • Es compte, si us plau! Die Rechnung, bitte!
  • entremès Vorspeise
  • sopa Suppe
  • postres Dessert / Nachtisch
  • pasta Nudeln
  • arròs Reis
  • patates Kartoffeln
  • carn de vaca / porc Rind- bzw. Schweinefleisch
  • ars Geflügel
  • pollastre Hähnchen
  • conill Kaninchen
  • porcelleta Spanferkel
  • gambes Krabben
  • tonyina Thunfisch
  • musclos Miesmuscheln
  • amanida Salat
  • verdures Gemüse
  • fruita Obst
  • pa Brot
  • formatge Käse
  • salchichon Salami
  • pernil Schinken
  • begudas Getränke
  • aigua Wasser
  • vi blanc / negre Rot- bzw. Weißwein
  • cervesa Bier

Übernachten

  • Busco un bon hotel / un hotel no tan car / un càmping bonic. Ich suche ein gutes / nicht zu teures Hotel / einen schönen Campingplatz.
  • Hotel / Pensió Hotel / Pension
  • habitació doble / individual Doppel- / Einzelzimmer
  • Té una habitació lliure? Haben Sie ein Zimmer frei?
  • per una nit / una setmana für eine Woche / eine Nacht
  • Puc veure l’habitació? Kann ich das Zimmer sehen?

Richtungsangaben / Orientierungsfragen

  • a l’esquerra / a la dreta nach links / nach rechts
  • tot dret geradeaus
  • dalt / a baix oben / unten
  • anada (i tornada) hin (und zurück)
  • On puc trobar … ? Wo findet man … ?
  • On són es serveis? Wo befinden sich die Toiletten?
  • On és l’oficina de turisme / d’informació? Wo ist das Verkehrsamt / die Information?
  • Com s’hi va? Wie kommt man da hin?
  • És lluny? Ist es weit?
  • Quina hora és? Wie spät ist es?
  • ahir / avui / demà gestern / heute / morgen
  • obert / tancat geöffnet / geschlossen
  • bitlett Ticket / Fahrkarte
  • Quant val … ? Was kostet … ?
  • car(a) / barat(a) teuer / billig


Beherrschst Du die Katalanische Sprache? Schreib unten in die Kommentare!

Quellen & Einzelnachweise:
[1] https://peteraroundtheworld.com/katalanische-sprache-in-barcelona/
[2] https://www.uni-frankfurt.de/44860932/Katalanische_Sprache
[3]http://www.intercat.cat/de/info/catala-catalunya.jsp

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